F.M.R. - Inbegriff für liberale Konsequenz ... F.M.R.: Oktober 2005

27 Oktober 2005

Flucht nach vorn

Lese diesen Artikel, lehne mich stumm zurück. Fasse das Wort "Solidaritätsabgabe", wäge es in Gedanken, lege es wie einen kleinen Barren aus Edelmetall mal in die eine, mal in die andere Hand, drehe und wende es, betrachte es wie eine besonders schöne Strandmuschel von allen Seiten, halte es ans Ohr... - schaue dann kurz auf meinen Tischkalender, blicke hinüber zum Regal, wo meine Ordner mit der Aufschrift "Steuer" stehen, denke an meine Tochter..., sehe tagesschau-Bilder von gestern: Infineon-Leute, morgens vorm Werkstor, noch dunkel, mit roten Mülltüten untenrum, mit roten Käppis obendrauf, mit roten Trillerpfeifen im Gesicht... - übrig bleibt nur ein Gedankenfetzen, nein, zu naiv, ihn zuzulassen - aber hier, im Blog... ja, dazu ist er da:

Los! Macht doch einen Fünfjahresplan! Macht nichts halblanges, macht Nägel mit Köpfen! -

Schließe die Augen. Schalte das Radio an. "Das ZK der GK des 16. Bundestages der Sozial-Demokratischen Deutschen Republik hat soeben den Fünf...." - AUS!

Nina Ruge lügt. Nix wird gut.

26 Oktober 2005

Auf Müntes Brot: 35 Mrd. Aufschnitt, grob!

Politiker lügen? Aber nein! Das wäre das Letzte, was sie nötig hätten! Erstens, weil sie, wenn regierend, das Zwangsmonopol besitzen. Zweitens, weil eh (fast) alle alles nachbeten.

Ich muss zugeben, dass ich mich ehrlich freue, wenn Müntefering sagt: „Milch und Honig werden nicht fließen, aber gesundes Brot und ordentlicher Aufstrich werden da sein."

So ist's recht, Genosse. Milch und Honig können Euch die Eigentümer, Wertschöpfer und Leistenden einfach nicht mehr liefern, zu eng der staatliche Drehknebel, der Euch den Bauch stopft. Gesundes Brot und ordentlicher Aufstrich werden schon noch ein Weilchen auf den Tisch kommen, herzlichen Glückwunsch.

Falls der Herr noch einen Wunsch haben, einfach nochmal an die Wahlurne nach der Küche rufen.

23 Oktober 2005

Das Volk und seine Angewohnheiten

Der Alterspräsident des 16. Deutschen Bundestages, Otto Schily (SPD), hat in dieser Funktion jüngst wie folgt gesprochen: "Das Volk hat die unbequeme Angewohnheit, Regierungen abzuwählen und neue Mehrheiten im Parlament herbeizuführen. (...) In der Demokratie wird Macht nur auf Zeit verliehen, diesen Grundkonsens erkennen wir alle an. (...) [Wir] haben eine gemeinsame Verantwortung, zum Besten unseres Landes zu wirken."

Ich bin sicher, 99,5 Prozent derer, die Schilys bundesdeutschen FDGO*-Sprech überhaupt noch zur Kenntnis genommen haben, würden das "sofort unterschreiben".

Ich tue das nicht. Nicht, weil ich grad zufällig etwas gegen die FDGO, gegen das Wählen oder gegen demokratische Entscheidungen hätte, oder weil ich es nicht ausgesprochen nobel fände, "zum Besten unseres Landes" wirken zu wollen.

Es sind andere Schlüsselworte, die mir auffallen. Und gerade weil ich gezwungen bin, "am Besten unseres Landes" mitzuwirken, ohnehin ungefragt ("Sozialstaatsprinzip" im Grundgesetz, Artikel 20 (1)), schaue ich mir das nicht anders erwartbare L'etat, c'est moi in persona Herrn Schilys genauer an:

"Das Volk hat die unbequeme Angewohnheit (...)" -

Ich lasse einmal dahingestellt, ob da nicht sanfte Ironie gemeint war (umso verhängnisvoller, das nur nebenbei) - aber um eine Angewohnheit handelt es sich nicht - jedenfalls nicht bei mir, und von einer kollektiven Angewohnheit "des" Volkes zu sprechen, halte ich für reichlich unpassend. Es ist ein grundsätzliches bürgerliches Grundrecht, an der Gesetzgebung mitzuwirken, und dieses vom Liberalismus erstrittene Grundrecht ist immer wieder auf's Blutigste mit Füßen getreten und mit Gewehrkolben geknüppelt worden. Daraus folgt, lieber Herr Schily: Die "BRD" ist eben nicht Ihr unbequemer Normalfall. Sie ist bestenfalls ein recht bequemer Container für Leute wie Sie.

Sie funktioniert eben, die Anpassung, besser: die Angepasstheit der Bürger, und zwar diejenige des Parteien-Stimmviehs an die Politiker-Elite; bei ihr ist noch jedes Ergebnis des "Gehen-Sie-wählen!" höchst willkommen. Denn unter aktuellen Umständen ist es inhaltlich de facto nicht nur frei jeder Konsequenz, sondern de iure machterhaltend im eigenen Interesse, Beweis: Die Große Koalition aus SDU und CPD, die "der Wähler" angeblich wollte.

Die (sog.) demokratische Legitimation des Parlamentes (die nur ein Rechtsakt ist) ist nicht mehr als das momentan vielleicht Beste vom Schlechten, nämlich den einmal an der stickigen Luft der historischen Realität geronnenen Freiheitswillen der Beherrschten gegenüber den Herrschenden in eine mögliche Rechtsform zu bringen.

Schily leitet sich hinterher daraus eine gemeinsame (!) "Verantwortung für das Beste in unserem Land" ab. Was er denn unter dem "Besten" versteht, liegt offen zu Tage. Urteilen Sie selbst.

* = sog. "freiheitlich-demokratische Grundordnung" des Bonner Grundgesetzes

20 Oktober 2005

Kryptosozialismus, täglich

Freiheitsfreund Nirko Hasic verdanke ich den Hinweis auf einen Artikel von Daniel Dettling im Rheinischen Merkur. In ihm taucht - hört, hört! - das Wörtchen "libertär" auf.

Der Beitrag klingt auf den ersten Blick ja noch liberal - aber ist Libertäres zu entdecken? Wer das hofft, sieht sich bald enttäuscht:

In ihm wird auch nur von einem "Programm" gesprochen, dessen es wohl ermangele, von der Möglichkeit von Politik an sich, und der Autor träumt von der Verkündung einer irgendwie [ja, zum Kuckuck, wie denn?] gearteten Heilslehre ("Zukunftsentwurf" - "müsste ein Versprechen formulieren"), hält man am Machbarkeitswahn fest ("bietet sich Jüngeren eine einmalige Gelegenheit" [wofür?]). Verräterisch noch anderer Wortgebrauch: "Trost", "Waffen", und dann die ganz unpassende Hymne ausgerechnet auf Jockel Fischer ("letzter Rock'n'Roller" [so'n Scheiß, 'tschuldigung]). Und was heißt denn "ohne Rücksicht auf Tabus und Traditionen, aber dennoch in Respekt vor dem Bewahrenswerten"? Der Autor sagt... nichts!

Der ganze Aritkel ist ein bald kryptosozialistisches, bald semikonservatives Hülsengeklingel - von den latenten Standard-Kollektivismen mal abgesehen - bereits am Anfang: "Generationenwechsel sieht anders aus" - "in Deutschland hat das Jammern schon immer Kultur" [das ist unverschämt!] oder " 'die' Jungen werden nicht auf die Barrikaden gehen" [wer sind diese Jüngeren?]. Solche Sätze stehen an Leerheit in nichts dem nach, was ohnehin täglich medial eintrommelt.

Sehr geehrter Herr Dettling, ich fürchte, so geht das nicht.

19 Oktober 2005

Leonardo: "Frei gehorcht man besser."

"Frei gehorcht man besser." - In diesem Spruch von Leonardo da Vinci, zu verstehen eher als Lebensweisheit denn als politisch-philosophischer Appell, konzentriert sich, besser: kondensiert meine ganz eigene Haltung zum Thema (äußerer) Freiheit.

Natürlich habe ich den Spruch samt Quellverweis auch nur geklaut. Ganz unabhängig davon bin ich ein großer Bewunderer der Leistungen und Haltungen dieses Mannes - mit offenem Munde und blankem Staunen stehe ich jedesmal vor seinen Skizzen, Entwürfen und Bildern... - wenn man bedenkt, wann er gelebt hat.

Und er ist ja jedem "politischen Wirken", sprich: Menschen (meist) ungefragt zu beglucken beglücken, ganz unverdächtig, im Gegenteil: Er gehört zu den ganz wenigen, von denen man wirklich sagen kann, sie haben der Menschheit gedient.

Bekanntermaßen gestaltete auch er (wie Kant übrigens) sein eigenes Leben nach strengsten Alltagsregeln, in einer Form radikaler Selbstzucht, über die wir Heutigen nur noch müde lächeln... . Und um diese Sicht aufs eigene Leben geht es, die ich bewundere, und von der ich meilenweit entfernt bin, ganz sicher meilenweit entfernt bin... - Ohne Selbst-Disziplin, ohne Autonomie (= Selbstgesetzgebung) im striktesten Sinne wären solche Leistungen und solche persönliche Entwicklung, wie bei Leonardo zu sehen, gar nicht denkbar und noch weniger möglich - Talent natürlich vorausgesetzt.

Fazit - da ist kein scheinbarer Widerspruch in "frei gehorcht man besser": Du gehorchst dir selbst, und du kannst nur dir selbst gehorchen. Das geht nur, wenn Du frei bist. Frei vom anderen. Unabhängig vom anderen. Nicht mehr und nicht weniger. - Um's doch mal sehr vorsichtig auf einige vor allem in der libertären Diskussion traktierten Themen zu wenden: Erstens, sich selbst nach innen Gesetze geben, und zweitens, mögliche universale, nach außen gültige Gesetze erkennen und selbstentschieden nach ihnen zu handeln - das ist schon der Kern dessen, was mich herbe an meiner Tauglichkeit zum "Anarchisten" zweifeln lässt.

18 Oktober 2005

Impressum

Was heißt, wer ist, was will F.M.R?

Der Weblog F.M.R. (Freiheit, Markt und Recht) ist im wesentlichen ein analytischer Meinungsblog zu Themen und Thesen aus Gesellschaft, Wirtschaft und - nolens volens - Politik . Er holt sich Inspiration aus dem veröffentlichten Zeitgeschehen oder aus persönlichen Erlebnissen in den genannten Feldern. F.M.R. erhebt Anspruch auf eigene Denkanstöße. Der Blog lebt vom Beitrag verschiedener Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum.
Auch bei gelegentlicher polemischer Schärfe sehen sich die Autoren den Maximen bürgerlicher Freiheit, dem Prinzip der Marktwirtschaft und der Idee des Rechts verpflichtet. Mit dem Kritischen Rationalismus (etwa vertreten von Hans Albert), der Praktischen Philosophie Immanuel Kants (und seinen systematischen Vorgängern und Nachfolgern) sowie den soziologischen Analysen Max Webers benennen sie einige ihre wichtigsten geistigen Leitsterne. Alle Beiträge entstehen in Respekt vor ihren möglichen Leserinnen und Lesern. Es geht schließlich um Menschen, die denken können, philosophisch gesprochen: um Subjektspersonen mit "Fähigkeit zur Geltungsreflexion" (Hans Wagner 1993).

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