Der Grölibaz*
(...) Das Bekenntnis zur Marktwirtschaft, (...)
MW als Religion? Wie wird man "Marktwirtschaftler"? Indem man nach Strich und Faden eine Herrschaftsordnung hofiert, in der praktisch nichts unterlassen worden ist, genau all jenes zu beschneiden, was Voraussetzung für freies Wirtschaften ist - nämlich Märkte (s. Arbeits-"markt", Gesundheits-"markt", Bildungs-"markt", Europäische Union einschließlich Krieg)?
(...) der Ruf nach einem schlanken Staat, (...)
Die Schlankheit das Desiderat? An der Uni - Freiheit der Leere! - hätte Politikstudenten doch zuoberst beigebogen werden sollen, nach den Grenzen des Staates zu rufen - besser: erkennen zu lernen, wo der Staat aufhört, einer zu sein! Nicht das "wir hier - Staat dort", das also, was den Konservativ-obrigkeitshörigen kennzeichnet, sondern es ist schlicht die Grenzbestimmung je individueller Handlungssphären, die eine gesetzliche zu sein hat und nur eine gesetzliche sein kann. Wenn jedoch bestimmte Gruppen in einer Herrschaftsordnung schon 'grundgesetzliche' Privilegien besitzen ("Parteien" etwa), dann ist solcherlei Grenzziehung nicht nur schwer, sondern geradezu unmöglich. Nun denn, "rufen" kann man ja mal - macht sich immer gut!
(...) ein fortschrittliches Gesellschaftsbild (...)
Wie mag denn Hagens "Gesellschaftsbild" aussehen? Wann ist eine Gesellschaft fortschrittlich? Geht's auch konkret, bitt'schön? Und jene, die da bocken - was ist von ihnen zu halten? Wertlos? Unwert?
(...) und die Würde des Menschen als Leitmotiv ihres politischen Denkens und Handelns (...)
Unfassbar. Mir bleibt die Luft weg und ich muss schlucken. Das ist ja unerhört! Welch liberale Gnade, mit solchen Leitmotiven gesegnet zu sein! Vielleicht liege ich ganz falsch, wenn ich sage: Gerade nicht politisch zu denken, geschweige denn, "politisch" zu handeln (Öhm, wie geht das?) - sei der Würde des Menschen angemessen!?
Doch das war erst der Einstieg! Martin Hagen legt los:
(...) leitet sich (...) eine Solidarität mit Israel und den Vereinigten Staaten im Kampf gegen Islamofaschisten und Diktatoren aller Couleur ab.
Natürlich auf Kosten anderer! Nämlich mit Hilfe seines schlanken Staats (s.o.)! Und ganz sicher unter Inkaufnahme von Kollateralschäden! Was'n Glück, dass sich Faschisten für einige Auserwählte (?) als Islamos - 1. qualifizieren und - 2., immer unübersehbar zu erkennen geben. Da ist es nebenbei ganz belanglos, dass es sich mir als Einzelnem völlig verschließt, wie man denn "Solidarität mit Israel" übt - und nicht nur von ihr labert.
Hagen ist jetzt in diagnostischer Fahrt. Festhalten, es folgt der
(...) Schröderscher Nationalpazifismus (...) - war es etwa nicht Rot-Grün, die die Bundeswehr erstmals global zu Auslandseinsätzen schickten? War es nicht Rot-Grün, unter denen die ersten Nachkriegs-Schüsse aus deutschen Gewehren fielen (Kosovo)? War es nicht Rot-Grün, und im Gefolge die Kanzlerschaft, die Herrn Schröder noch wichtiger war als die Freiheit, über seine Haarfarbe zu spekulieren?
Gleich darauf:
(...) alteuropäisches Duckmäusertum (...) (Alt-Europa°? Hab ich was verpasst? Oder war das der augenzwinkernde Seitenhieb auf Donald Rumsfeld? Weil, das sollte man für noch jüngere Leser schon dazuschreiben, bevor sich °was einbürgert, °was es schlicht nicht gibt)
Dann, Parteiliberale versäumen komischerweise nie, Kohls Kleine bei wirklich JEDER Gelgenheit zu erwähnen, die
Kanzlerin (...), die ihren außenpolitischen Job hervorragend macht (...) (aber im Innern total versagt, gelle)
Wow, dann die
(...) Bedrohung des Westens durch das iranische Atomwaffenprogramm (...) (frisch gegooglet, oder was?)
dazu die
(...) gutmenschendelnde[n] [sic!] Terroristenversteher (...),
die
(...) friedensbewegte[n] Antizionisten (...)
sowie
(...) tollwütige Amerika-Hasser (...).
Nun denn, vom ungeschickten Gebrauch der Adjektive einmal abgesehen: Hier hätte man sich vielleicht Namen gewünscht. Herr Hagen hat die Chance vertan, tapfer und fleißig (weil erforderlicherweise beleghaft) Ross und Reiter zu nennen. Doch er, Freund der offenen Gesellschaft und Student der Politikwissenschaften seit fünf Jahren, so die Auskunft auf seiner Homepage, tröstet uns aber im letzten Absatz:
(...) [Die] immer offener zu Tage tretenden Geisteshaltung einiger konservativer Autoren (auch hier [sic!] soll nicht verallgemeinert werden!) [Hervorhebung von mir]
Mein lieber Scholli. Ich saß einen Moment da mit aufgeblasenen Backen. Jetzt hol' ich aber wieder tief Luft, ok?
Große Worte. Große Geste.
Größte Worte. Größte Geste.
Grölibaz.
*Größter Liberaler aller Zeiten





