F.M.R. - Inbegriff für liberale Konsequenz ... F.M.R.: Mai 2006

31 Mai 2006

Der Grölibaz*

... muss es sein, ob manch geniöser, ja geradezu weltgewitzter, unfassbar cosmopolitisch-fein ausgebildeter, höchst eigenständiger, ausgereift gewählter hoher Kurzwortgewalt - ich seziere den gleichermaßen abgestandenen wie nachgesungenen jungliberalen Hymnus mit beckmesserischem Genuss, und erlaube mir, reinzugrätschen:

(...) Das Bekenntnis zur Marktwirtschaft, (...)

MW als Religion? Wie wird man "Marktwirtschaftler"? Indem man nach Strich und Faden eine Herrschaftsordnung hofiert, in der praktisch nichts unterlassen worden ist, genau all jenes zu beschneiden, was Voraussetzung für freies Wirtschaften ist - nämlich Märkte (s. Arbeits-"markt", Gesundheits-"markt", Bildungs-"markt", Europäische Union einschließlich Krieg)?

(...) der Ruf nach einem schlanken Staat, (...)

Die Schlankheit das Desiderat? An der Uni - Freiheit der Leere! - hätte Politikstudenten doch zuoberst beigebogen werden sollen, nach den Grenzen des Staates zu rufen - besser: erkennen zu lernen, wo der Staat aufhört, einer zu sein! Nicht das "wir hier - Staat dort", das also, was den Konservativ-obrigkeitshörigen kennzeichnet, sondern es ist schlicht die Grenzbestimmung je individueller Handlungssphären, die eine gesetzliche zu sein hat und nur eine gesetzliche sein kann. Wenn jedoch bestimmte Gruppen in einer Herrschaftsordnung schon 'grundgesetzliche' Privilegien besitzen ("Parteien" etwa), dann ist solcherlei Grenzziehung nicht nur schwer, sondern geradezu unmöglich. Nun denn, "rufen" kann man ja mal - macht sich immer gut!

(...) ein fortschrittliches Gesellschaftsbild (...)

Wie mag denn Hagens "Gesellschaftsbild" aussehen? Wann ist eine Gesellschaft fortschrittlich? Geht's auch konkret, bitt'schön? Und jene, die da bocken - was ist von ihnen zu halten? Wertlos? Unwert?

(...) und die Würde des Menschen als Leitmotiv ihres politischen Denkens und Handelns (...)

Unfassbar. Mir bleibt die Luft weg und ich muss schlucken. Das ist ja unerhört! Welch liberale Gnade, mit solchen Leitmotiven gesegnet zu sein! Vielleicht liege ich ganz falsch, wenn ich sage: Gerade nicht politisch zu denken, geschweige denn, "politisch" zu handeln (Öhm, wie geht das?) - sei der Würde des Menschen angemessen!?

Doch das war erst der Einstieg! Martin Hagen legt los:

(...) leitet sich (...) eine Solidarität mit Israel und den Vereinigten Staaten im Kampf gegen Islamofaschisten und Diktatoren aller Couleur ab.

Natürlich auf Kosten anderer! Nämlich mit Hilfe seines schlanken Staats (s.o.)! Und ganz sicher unter Inkaufnahme von Kollateralschäden! Was'n Glück, dass sich Faschisten für einige Auserwählte (?) als Islamos - 1. qualifizieren und - 2., immer unübersehbar zu erkennen geben. Da ist es nebenbei ganz belanglos, dass es sich mir als Einzelnem völlig verschließt, wie man denn "Solidarität mit Israel" übt - und nicht nur von ihr labert.

Hagen ist jetzt in diagnostischer Fahrt. Festhalten, es folgt der

(...) Schröderscher Nationalpazifismus (...) - war es etwa nicht Rot-Grün, die die Bundeswehr erstmals global zu Auslandseinsätzen schickten? War es nicht Rot-Grün, unter denen die ersten Nachkriegs-Schüsse aus deutschen Gewehren fielen (Kosovo)? War es nicht Rot-Grün, und im Gefolge die Kanzlerschaft, die Herrn Schröder noch wichtiger war als die Freiheit, über seine Haarfarbe zu spekulieren?

Gleich darauf:

(...) alteuropäisches Duckmäusertum (...) (Alt-Europa°? Hab ich was verpasst? Oder war das der augenzwinkernde Seitenhieb auf Donald Rumsfeld? Weil, das sollte man für noch jüngere Leser schon dazuschreiben, bevor sich °was einbürgert, °was es schlicht nicht gibt)

Dann, Parteiliberale versäumen komischerweise nie, Kohls Kleine bei wirklich JEDER Gelgenheit zu erwähnen, die

Kanzlerin (...), die ihren außenpolitischen Job hervorragend macht (...) (aber im Innern total versagt, gelle)

Wow, dann die

(...) Bedrohung des Westens durch das iranische Atomwaffenprogramm (...) (frisch gegooglet, oder was?)

dazu die

(...) gutmenschendelnde[n] [sic!] Terroristenversteher (...),

die

(...) friedensbewegte[n] Antizionisten (...)

sowie

(...) tollwütige Amerika-Hasser (...).

Nun denn, vom ungeschickten Gebrauch der Adjektive einmal abgesehen: Hier hätte man sich vielleicht Namen gewünscht. Herr Hagen hat die Chance vertan, tapfer und fleißig (weil erforderlicherweise beleghaft) Ross und Reiter zu nennen. Doch er, Freund der offenen Gesellschaft und Student der Politikwissenschaften seit fünf Jahren, so die Auskunft auf seiner Homepage, tröstet uns aber im letzten Absatz:

(...) [Die] immer offener zu Tage tretenden Geisteshaltung einiger konservativer Autoren (auch hier [sic!] soll nicht verallgemeinert werden!) [Hervorhebung von mir]

Mein lieber Scholli. Ich saß einen Moment da mit aufgeblasenen Backen. Jetzt hol' ich aber wieder tief Luft, ok?

Große Worte. Große Geste.
Größte Worte. Größte Geste.
Grölibaz.

*Größter Liberaler aller Zeiten

29 Mai 2006

Lebe, um zu arbeiten!

Plage, Leid und Fron - das ist es, was Marxisten und solche, die nicht gemerkt haben, dass bei ihnen in Jahrzehnten "Sozialdemokratie" Marxismus auf Schleichsohlen Einzug gehalten hat, sich unter Arbeit vorstellen.

In etwas abgeschwächter Form ist es das "später einmal", dass man allenthalben zu hören bekommt: Später einmal, wenn ich in Rente bin - genug verdient habe - Karriere gemacht habe - das Haus erspart habe - usw. usf.

Arbeit aber als Chance, Erfüllung oder gar als Freude, und ihre Früchte als echten Verdienst statt billiger Entschädigung zu empfinden - wohl dem, der so noch denkt.

Nicht: "Ich arbeite, um zu leben." Sondern: "Ich lebe, um zu arbeiten!" Das Leben findet jetzt statt, heute und hier. Das Heil wird nicht, es ist. Der Rest kommt von alleine.

15 Mai 2006

Volkes Maul - volles Boot - leeres Hirn

Es scheint, als sei folgende Aussage beinahe unwidersprochener Allgemeinplatz, bei jeder (un)passenden Gelegenheit dahergeplappert: "Wir haben zu viele Ausländer!" Da ist jedes Wort falsch, auch das ausrufende Satzschlusszeichen.

1. Wir: Wer ist "wir"? Bin ich das auch? Habe ich zu viele Ausländer? Wo sind meine Ausländer?

2. haben: Wie kann ich Ausländer "haben"? (Also, auf mein Grundstück resp. meine Wohnung kommt nur herein, den ich darum gebeten habe)

3. zu viele: Wie viele Ausländer sind "zu viele"? Zwei, Hundert, Sechzigtausend, 1, 6 Millionen? Wo ist der Schwellenwert? Ab wann kippt die Geduld? Müllmann Oguz, der die Tonne leert, aber ansonsten das Maul hält, ist ok, während Oliver (Schweizer), IT-Berater, sich gestern nach Insolvenz seiner Firma bei der BA arbeitssuchend gemeldet hat?

4. Ausländer: Wer das Wort in den Mund nimmt, meint sicher nicht etwa Holländer, die im Bayerischen Wald regelmäßig konsumkräftigen Wanderurlaub machen. "Ausländer" ist ein Terminus politicus - denn wo kein Unterschied in der bloßen Personenhaftigkeit eines Menschen auszumachen ist, braucht es eben die letzte Unterscheidung, die schonmal jeden Inländer notwendig-automatisch mit dem (unverdienten) Vorzug eben des Inländertums (zwangs-)qualifiziert! Von "Integration" redet also nur der Integrierende, der sich damit ungefragt 1. eine ganz großartige autoritäre Rolle selbst zuschreibt (weil er wohl nix anderes zu bieten hat) und 2., den zu Integrierenden ebenso ungefragt automatisch zum Objekt seiner grundsätzlich beliebigen Integration macht- und sei es, dass es ihm darum zu tun ist, einen neuen nationalen (oder soll ich schreiben: national-sozialistischen?) Weg zu finden, das aus welchen irrwitzigen Gründen auch immer Unliebsame vom Wettbewerb auszuschließen, vulgo: "raus"-zuschmeißen.

5. "!" - Der Imperativ als Norm. Was soll ich machen? Meinen Baseballschläger rausholen? Oder, bisserl feiner, CSU wählen?

Was also ist das echte Motiv?

Der meistens dumm daher- und nachgeplapperter, normative Gebrauch von "Fremdheit" oder "Nichtzugehörigkeit" in urteilsschwacher Zuschreibung ad personam zeugt von vielem, nur von einem nicht: Dem Wissen, dass und wie Menschen, egal, wer sie "sind", wo sie herkommen oder welche Sprache sie sprechen, auf Märkten miteinander agieren und sich ansonsten reichlich wurscht sind. Ein Markt kennt nur eine Unterscheidung, und das ist die willentliche Teilnahme resp. Nicht-Teilnahme. Aber es gibt zum Glück das notwendig ausschließende, demokratisch "legitimierte" Zwangskollektiv, an dessen Gebrechen alles und jeder schuld ist, nur nicht das Kollektiv selbst.

Es ist der Mangel an Urteilskraft.

13 Mai 2006

Schwarze, rote, grüne (und leider auch gelbe) Sozial-Demokraten glauben...

... sie hätten besondere Rechte:

Das Recht, dem Eigentum eine Pflicht grundgesetzlich zuzuschreiben, eine "Pflicht" auf Kosten anderer.
Das Recht, die "Umwelt" zu schützen, auf Kosten anderer.
Das Recht, für Arbeit und Wohlstand zu sorgen, auf Kosten anderer.
Das Recht, Elterngeld zu bezahlen, auf Kosten anderer.
Das Recht, Straßen zu bauen, auf Kosten anderer.
Das Recht, ständig föderal gestaffelte Wahlen abzuhalten, auf Kosten anderer.
Das Recht, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen, auf Kosten anderer.
Das Recht, Fernsehsender zu betreiben und dafür Zwangsgebühren einzutreiben, auf Kosten anderer.
Das Recht, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden Privilegien einzuräumen, auf Kosten anderer.
Das Recht, Schulen und Universitäten zu betreiben, Kosten wie Ergebnis zu Lasten anderer.

Das Recht, einen Bundesnachrichtendienst in den Angelegenheiten anderer schnüffeln zu lassen, auf deren und anderer Kosten natürlich.

Sozial-Demokratie nimmt sich verdammt viel heraus. Und Du? Lässt Du Dir das gefallen?

11 Mai 2006

Sozialklempnerei? Sabotage!

Frische Töne? Namhafte Journalisten politik-orientierter Sendungen im Fernseh wagen es, angesichts des Schraubenschlüssels, den die aktuelle Regierung in gespielter Bisschen-Verzweiflung an die alten, schon festsitzenden Verteilungsschrauben setzt, Staats-Fragen zu stellen: Wieviel darf er, was bringt was und wozu, von wem darf er, darf er überhaupt. Sollte das ein leiser Anfang sein, ein Zauber gar, der die Vielen aus ihrem süßen Traum erwecken könnte?

Ich fürchte, nein. Das Prinzip bleibt unentdeckt. Der Tanz um den heiligen Staat ist nicht zu Ende, die Musik intoniert dasselbe, Tänzerinnen und Tänzer alt und altbekannt. Sie sehen nicht die Salamischeiben, hauchdünn geschnitten zum Totalitarismus, es bleibt die bloß technisch-"wissende" Sorge a lá Professore Sinn, "der jüngste Aufschwung" könne ja abgewürgt werden (Maybrit Illner, Berlin Mitte, ZDF).

Nun, da wird nichts abgewürgt, was nicht schon vom teleologizistischen Zwangskollektiv-Apparat bis zur Unkenntlichkeit sabotiert worden ist: Markt, ausgemergelter Ochs' sozialgerechter Triller- und Papagesichter, Eigentum, längst nicht mehr niet- und nagelfestes, kommun-grundgesetzliches Polit-Strandgut, Recht, Hure noch jedes bloß positiv-materiellen Gusto, Freiheit, naiv-bibliophil-intellektuelle Träumerei jedes tätschelnden Grinse-Spätabendprogramms.

09 Mai 2006

Ursula an die Leine? - Äh, an welche, bitte?

Genüsslich beobachte ich, wie "man" sich landauf, landab, KREUZ und queer durch die Rest-Publik über die neue deutsche Familienministerin aufregt. Ich gehörte anfangs, doch überrascht vom naiv-professionell-glatten Impetus dieser Hohen Dame, ja auch dazu. Nun:

Ihr meint, Ursula von der Leyen sei die falsche Frau im Amt? Ich widerspreche: Sie ist die beste darin - doch es ist gerade das Amt, was überflüssig, ja nachgerade schädlich ist.

Ihr denkt, sie gehe mit ihrer Vorstellung von "Werten" und Familie zu weit oder sei zu sehr in dem christlichen GEifer verhaftet? Ich halte entgegen: Was erwartet Ihr in einem Land, in dem die Höchstjuristen von "grundlegenden, unerschütterlichen Werten in [sic!] einer demokratischen, christlich-abendländischen* Gesellschaft" sprechen, vom "Konsens aller billig und gerecht Denkenden"?

Ihr fühlt Euch genervt von der Frau? Gut, sie nervt mich ja auch (aber das ist was persönliches), aber ich sage Euch Öffentlichen: Solange Ihr glaubt, die Idee vom Staat erlaube qua "Politik" die Verwirklichung eines je privaten Zweckes, sofern und soweit er nur einmal durchdemokratisiert ist, solange ist Euer Genervtsein ohne Grund, ohne Boden, ja geradezu lächerlich - ja sogar gewollt! Ihr wollt Euren (Sozial-)Staat, Ihr wollt "Volksherrschaft", also wollt Ihr es exakt so und nicht anders. In ihm und mit ihm ist alles möglich. Eure Kritik ist leer, arm, saft- und kraftlos, banal, ja richtig dumm. Und folgenlos sowienoch.


* das "abendländisch" wird in der einschlägigen staatsjuristischen Literatur nicht selten, aber recht geflissentlich attributiv-erklärend zum etwa Bloß-Christlichen hinzugefügt - um nicht etwa auf die Idee zu kommen, an irgendwelche alten Protestanen, bärtigen, orthodoxen, liberal-anglikanischen oder gar Ur-Christen zu denken, die einst zwischen Euphrat und Tigris ...