Freitag vergangener Woche veranstaltete die "ELSA", die
European Law Students Association, aus Anlass ihres 25jährigen Bestehens einen stilsicheren
Vortragsabend an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Auf dem Podium saßen Prof. Dr. Günther Schmid (FH des Bundes für Öffentliche Verwaltung), Prof. Dr. Georg Nolte (Inst. f. Internationales Recht an der LMU), Dr. Rainer Stinner (FDP, MdB, Mitglied im Verteidungs- u. Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages), Dr. Rudolf Adam (Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik) und Prof. Dr. Christopher Daase (Geschwister-Scholl-Institut der LMU).
Für mich als Anhänger libertärer Ideen lohnt es kaum, das wiederzugeben, was die mehr (Adam) oder weniger (Stinner) großen Etatisten von sich gaben. Ausschließlich jeder befürwortete militärisches Intervenieren 'guter' Staaten in 'bösen' Staaten; die Unterschiede in den Rechtfertigungen waren bei allen Gut-Staat-Rednern lediglich gradueller Natur. Prosecco und Fingerfood im Anschluss erleichterten das Verdrängen des soeben Gehörten.
Ein Wort allerdings eines besonders stramm-aufrechten Befürworter des Einsatzes militärischer Gewalt zu etatistischen Zwecken blieb im Gedächtnis hängen, es kam von Professor Schmid im fassadensouveränen Brustton gelernter Selbstverständlichkeit: "Fading states, also zerfallende Staaten [etwa Kongo, BW] bedeuten 'gewaltoffene' Räume. Hier muss schnell und stringent mit militärischer Intervention entgegengetreten werden."
Abgesehen davon, dass solch eine Forderung leicht zu erheben ist, wenn man weiß, dass einem das ganze schöne Interveniere junger Gefreiter dann bombig daheim per n-tv ins Polit-Fernseh, a Glaserl Sekt in der Hand, geliefert wird, und abgesehen davon, dass sowas ja gewiss zuvor anständig von einem "demokratischen" Parlament "legitimiert" wird: Bemerkenswert ist die Behauptung, das Schwinden eines Staates sorge für so etwas wie "gewaltoffene Räume"- - zu "Anarchie und Chaos" natürlich. Nun, ich weiß nicht, was Professor Schmid darunter genau versteht (wahrscheinlich nix) - eins dürfte sicher sein: Das wohl aus fetter Bequemlichkeit hundsmiserable Menschenbild eines vorgeblichen Auf-Kosten-anderer-Beglücker; Schmid, sozial, westlich, deutsch, und, ganz sicher: Liberal! Prof. Noltes Einwand, die Akzeptanz militärischer Intervention in der Bevölkerung schwinde aktuell weiter, ist recht eigentlich kein Trost.
Man mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn, sagen wir, der deutsche Staat beginnt zu zerfallen? Wir werden es nicht erleben, doch - welche Camorra wird sich der sicher wohlhabende und intelligente Schmid anheuern seiner These zufolge, um sich mit offener Gewalt zu holen, was er durch produktive Arbeit nicht mehr verdienen wird? Aber vielleicht ist er ja ein guter Mensch, der beginnt, mit den Menschen seines Umfeldes regen Handel zu treiben... ungehindert von allem, was Staat sich zu nennen anmaßt. So, wie es 1989 für kurze Zeit in Dresden, Leipzig oder Berlin (Ost) gewesen ist: Da hat man jederzeit ein Taxi bekommen, für günstigste, freie Tarife, und die Autos waren nicht einheitlich in hellelfenbein lackiert.
Deutsche Hochschullehrer, Akademiker mit 'besten' Referenzen. Die wissen es einfach. Kritik gab es seitens