F.M.R. - Inbegriff für liberale Konsequenz ... F.M.R.: Juli 2006

27 Juli 2006

Kommunisten: Ulla Schmidt war mal ...

... eine von ihnen. Im Lebenslauf auf Ihrer Seite findet sich natürlich NIX davon.

Moooment! Man wird sich ja auch mal "ändern" dürfen, gelle!?

Verstehe "also" das Pseudo-Getuschel um den Hitler-Jungen Joseph Ratzinger gar nicht. Wobei der damals kaum anders konnte. Wogegen die Genossin, für die sich vor nicht allzu langer Zeit Steuerfahnder interessierten, einst echte Wahlfreiheit hatte.

Sie wird das Gesundheitssystem erfolgreich reformieren.

Ist mir übrigens (auch) wurscht.

26 Juli 2006

Sehr heiß: Politiker = Autisten ?

Die gegenwärtige Hitze setzt mir zu. Nur noch irgendwie kommt man durch den Tag. Keine Klimaanlage im Büro - nur ein Ventilator auf Stufe III, der den Ofen quirlt.

Da schoss mir durchs sommerlöchrige Hirn: Politiker sind Autisten!

Abgesehen davon, dass mich das zu einem ebenso spontanen Blogeintrag motiviert: Der Satz ist in zweierlei Hinsicht falsch.

1. Autismus ist eine frühkindliche Entwicklungsstörung. Also nicht verantwortet. Man täte autistischen Menschen grob Unrecht, vergleichte man sie mit Politikern. [Obwohl: Politik muss auch eine Krankheit sein....]

2. Der Satz suggeriert: Wenn Politiker keine Autisten wären (was man in der Hitze leichtfertigerweise annehmen könnte), dann wäre "alles nicht so schlimm". Weit gefehlt: Politik ist per se nicht die Lösung, Politik ist das Problem.

Und nun begebe ich mich schnurstracks zur Eisdiele meines Vertrauens.*

* ... und zwar regelmäßig die im Münchner Stadtteil Alt-Perlach gelegene "Il Gelato Italiano" (Pfanzeltplatz, München). Nicht unbedingt zentral gelegen, aber die wahrscheinlich beste (Radio Arabella) Eisdiele Münchens. Meine Empfehlung: Erdnuss + Bacio bianco.

25 Juli 2006

Hitlerhisbollah

Lachhaft: Da entzündet sich in einem der wenigen netten 'libertären' Zimmer ein kleiner, aber recht giftiger Disput um die Frage, ob das, was Israel aktuell tut, gut ist oder nicht. Interessant ist nebenbei der ausgewachsene Polit-Jargon, dessen man sich befleißigt. Dazu die all-moralischen Urteile, die gefällt werden, explizit wie implizit. Fällt Euch nix mehr ein? Zu heiß für einen kühlen Kopf?

Nun: Keiner fragt nach dem RECHT.

In der Aufklärung wurde längst das eine 'moralische' Rechtsgesetz erkannt und formuliert: Neminem laede - Tue niemandem Unrecht! Was auch soviel heißt, wie: Tue Recht! Wunderbar nachzulesen bei Kant (AA VI 236*). Keiner fragt in oben erwähntem Disput, wann, wie und wessen Recht verletzt worden ist und wird und was getan werden sollte, um Recht wiederherzustellen - und zwar das Recht in der Person eines jeden Israelis, und übrigens eines jeden Libanesen. Oder was die Staaten Libanon oder Syrien, oder der Staat Israel, unterlassen haben könnte - und sich damit ent-staatet haben.

Nein, niemand kommt an der Rechtsidee vorbei. Kein Anarchist, kein Kommunist, kein Nationalsozialist, kein Jude, kein "Heiliger Krieger", der im Namen Gottes Menschen sprengt.

Ob die Alliierten damals "überreagiert" haben, als sie, spät zwar, dann jedoch umso entschlossener in Europa auf Deutschland und seine Hisbollah(nach Abermillionen zählende) Hitler-Gefolgschaft losgingen? Man mag im Detail über einzelne militärische Entscheidungen geteilter Meinung sein - denn menschliche Einsicht und sein Verstand sind nunmal eng begrenzt - einig sein sollte man hinsichtlich der allgemeingültigen Forderung an jeden einzelnen von uns, alles zu tun, was das Menschenrecht in der Person eines jeden befördert und schützt, und alles zu unterlassen, was ihm schadet. Das gebietet die (unbegrenzte) Vernunft.

* Ich zitiere Kant nach der Akademie-Ausgabe (AA)

13 Juli 2006

Gewalttäter Zidane. Zweifel? Das darf doch nicht wahr sein!

Zinedine Zidane, der französische Kopfboxer, sorgt für anhaltende Diskussionen. Da wird spekuliert, Zizous Biographie analysiert und Lippenleser bemüht. Matarazzi zur falschen Zeit am falschen Ort?

Unfassbar, dass in dieser Welt, nicht nur in dem Teil, der sich "französisch" nennt, Zidanes Gewaltakt beständig dadurch gerechtfertigt- entschuldigt - "erklärt" wird, Matarazzi hätte was ganz abscheulich Böses zu Zidane gesagt - was den Franzosen "veranlasst" hätte, brutal zuzuschlagen, moralisches Motto, abgegeben mit großer oder auch achselzuckender Geste, "naja, Zizou wird schon seinen Grund gehabt haben [also spielt das mal nicht so hoch, BW]", und man anschließend empfiehlt, doch bitt'schön zur Tagesordnung überzugehen.

Gewalt "auf" Nicht-Gewalt ist durch schlechthin nichts zu rechtfertigen. Das ist nicht nur gesetzwidrig in jeder Hinsicht, und nicht nur rechtloses Handeln, sondern ein höchst unmoralischer Akt noch dazu. Bewusst setze ich das "auf" im vorangegangenen Satz in Anführungszeichen, denn sie "folgt" nicht auf Nicht-Gewalt. Gewalt eines Menschen als zur Freiheit fähigem Wesen ist namenlos, tritt alleine auf und ist buchstäblich selbst-verantwortlich.

Was ist Gewalt? Gewalt sind alle Handlungen, die auf irgendeine Weise in die physische Sphäre* einer anderen Person eindringen, und zwar von dieser Person ungewollt . Es spielt dabei keine Rolle, ob dieser Unwille zuvor ausgesprochen oder auf andere Weise manifestiert hat. Es muss nicht etwa von Matarazzi verlangt werden, vor dem Spiel zu Zidane zu sagen: "Duhuu, bitte stoß' mir mal nicht den Kopf in die Brust, gelle!?"

Leute, so geht das nicht: Zidane hat sich schuldig gemacht, und ist natürlich völlig zu Recht vom Platz gestellt worden. Eigentlich gehört er zusätzlich vor den Strafrichter, denn ein sog. fußballerisches Foul war das gewiss nicht mehr. Soviel "Staat" muss sein.

Zidane ein Fußball-Gott? Nicht für mich. Alles verstehen heißt nicht, alles verzeihen. Und wieder: Anarchie ist möglich, Anarchismus nicht. Jedenfalls nicht unter uns Menschen.


* Der Terminus "phyische Sphäre" mag etwas in die Irre führen, aber mir fällt aktuell kein besserer ein; ich zähle zur "physischen Sphäre" einer Person deren eigener Körper und seine grundsätzliche Bewegungsfreiheit, die alle Personen erfahrungsgemäß miteinander teilen (und zu teilen haben), ferner, rechtlich, das Eigentum dieser Person und mögliche andere Rechtstitel.

10 Juli 2006

Marmor, Stein und Eisen...

... bricht, aber "unser" Kollektivismus nicht. Das drückt beispielhaft und leider praktisch unübersehbar die Inschrift* des gigantischen Steinblocks vor den Hamburger Alsterarkaden aus:



"SÖHNE DER STADT" steht da, und, weil das nicht reicht, "FÜR EUCH" gleich mit dazu. Die perfide Botschaft des Steins muss einer wie ich ja missverstehen. Und ich will sie missverstehen. Denn ich, der ich mich nach Kräften um Anti-Sozialismus bemühe, und das heißt: Um Nicht-Einmischung in die Angelegenheiten anderer Menschen, sofern nicht von ihnen ausdrücklich darum gebeten und übrigens direkt entlohnt, und ich dieses ziemlich persönlich und mit ganzem Herzen tue, so einer lässt sich von den Staatssteinmetzen allüberall nicht noch auf dem [von wem gepflasterten?] Granitwege schlechtes Gewissen einreden für etwas, was weder ich, noch mein Vater, Großvater und Urgroßvater auch trotz allweiligem demokratischem Mitgehange nie und nimmer mit zu verantworten hatten und haben. So stand ich vorgestern vor diesem scheußlichen Kollektivmonolithen und flüsterte laut: 'Mir doch egal.'

Nicht egal ist mir, dass ich enteignet wurde und werde, um genau sowas zu finanzieren - den potentiellen Tod junger Töchter und Söhne aller möglichen Städte. Auch wenn es nicht "meine" sind - Töchter, Söhne, Städte.

* "VIERZIG TAUSEND SÖHNE DER STADT LIESSEN IHR LEBEN FÜR EUCH 1914 - 1918"