Zinedine Zidane, der französische Kopfboxer, sorgt für anhaltende Diskussionen. Da wird spekuliert, Zizous Biographie analysiert und Lippenleser bemüht. Matarazzi zur falschen Zeit am falschen Ort?
Unfassbar, dass in dieser Welt, nicht nur in dem Teil, der sich "französisch" nennt, Zidanes Gewaltakt beständig dadurch gerechtfertigt- entschuldigt - "erklärt" wird, Matarazzi hätte was ganz abscheulich Böses zu Zidane gesagt - was den Franzosen "veranlasst" hätte, brutal zuzuschlagen, moralisches Motto, abgegeben mit großer oder auch achselzuckender Geste, "naja, Zizou wird schon seinen Grund gehabt haben [also spielt das mal nicht so hoch, BW]", und man anschließend empfiehlt, doch bitt'schön zur Tagesordnung überzugehen.
Gewalt "auf" Nicht-Gewalt ist durch schlechthin nichts zu rechtfertigen. Das ist nicht nur gesetzwidrig in jeder Hinsicht, und nicht nur rechtloses Handeln, sondern ein höchst unmoralischer Akt noch dazu. Bewusst setze ich das "auf" im vorangegangenen Satz in Anführungszeichen, denn sie "folgt" nicht auf Nicht-Gewalt. Gewalt eines Menschen als zur Freiheit fähigem Wesen ist namenlos, tritt alleine auf und ist buchstäblich selbst-verantwortlich.
Was ist Gewalt? Gewalt sind alle Handlungen, die auf irgendeine Weise in die physische Sphäre* einer anderen Person eindringen, und zwar
von dieser Person ungewollt . Es spielt dabei keine Rolle, ob dieser Unwille zuvor ausgesprochen oder auf andere Weise manifestiert hat. Es muss nicht etwa von Matarazzi verlangt werden, vor dem Spiel zu Zidane zu sagen: "Duhuu, bitte stoß' mir mal nicht den Kopf in die Brust, gelle!?"
Leute, so geht das nicht: Zidane hat sich schuldig gemacht, und ist natürlich völlig zu Recht vom Platz gestellt worden. Eigentlich gehört er zusätzlich vor den Strafrichter, denn ein sog. fußballerisches Foul war das gewiss nicht mehr. Soviel "Staat" muss sein.
Zidane ein Fußball-Gott? Nicht für mich. Alles verstehen heißt nicht, alles verzeihen. Und wieder: Anarchie ist möglich, Anarchismus nicht. Jedenfalls nicht unter uns Menschen.
* Der Terminus "phyische Sphäre" mag etwas in die Irre führen, aber mir fällt aktuell kein besserer ein; ich zähle zur "physischen Sphäre" einer Person deren eigener Körper und seine grundsätzliche Bewegungsfreiheit, die alle Personen erfahrungsgemäß miteinander teilen (und zu teilen haben), ferner, rechtlich, das Eigentum dieser Person und mögliche andere Rechtstitel.