von Bodo WünschIn der linken "Jungle World" findet sich ein
interessanter Beitrag ("Der Mainstream-Nazi") zum Verhältnis des "klassischen" Antifaschismus zur aktuellen "Rechtsuntendrift", die insbesondere im Osten Deutschlands zu den bekannten NPD-Wahlerfolgen führte.*
Der oder die Autor/in, offensichtlich und erfreulicherweise ein gelernter Soziologe, kommt in dem Artikel zu dem treffenden Urteil, die Linke konkurriere mit der Rechten gleichsam um die
pole position in der Volksfront. An dieser Analyse ist tatsächlich etwas dran.
"Volksfront": Wenn man einmal begriffen hat, dass es niemals die Aufgabe eines legitimen Staates sein kann, einen
bestimmten (Volks-, Gruppen-, Individual-, linken-, rechten-, libertären, kapitalistischen, objektivistischen, philosophischen, religösen oder kaninchenzüchterischen)
Zweck mit Zwangsmitteln zu kollektivieren - denn das erzeugt zwingend (!) Ex-Kollektivierte und kann gar nicht anders, als sie auf irgendeine Weise zu vernichten, also unschädlich zu machen gegenüber dem Kollektiv, denn wenn es das nicht täte, widerspäche es sich selbst) - dann sieht man auch, dass jeder am echten Liberalismus Interessierte ebenso notwendig sich von ausnahmslos
jeder materiellen universalen Zweckbestimmung zu verabschieden hat, und sei sie noch so abstrakt. "Staat" kann und muss eine rein formale Angelegenheit sein. Ein "wenn überhaupt" gibt es dabei nicht: Es ist die ganz abwegige (anarchistische) Vorstellung, mit der Abschaffung "des" Staates an sich würde etwa der Zweck eines "libertären Paradieses" Realität. Dieses Paradies ist wiederum selbst materiale Zweckbestimmtheit für alles und jeden. Sie funktioniert nicht.
Ich würde daher sogar soweit gehen und Abschied von einem "Libertarismus" nehmen, der "Gesellschaftsmodell" sein will, für ein solches plädiert, und sei es "nur" das Modell von der partiellen oder totalen Staatsabwesenheit. Wenn er eine Monstranz ist (und er scheint, für so manchen eine ganz willkommene zu sein), und sie doch wieder nur ihre eigenen gemütlichen "Volksfronten" baut - zum Zwecke etwa, sich anschließend auf der "richtigen" Seite zu wähnen, um danach wiederum "sauber" zwischen Möchtegern-, Paläo-, Links-, Rechts- oder Neolibertären zum Beispiel zu differenzieren, dann steige ich aus. Wenn "Libertarismus" jedoch lediglich ein
terminus politicus ist für die persönliche Haltung, von der nötigenden Willkür eines Anderen nicht abhängiger zu sein als eben der Andere von meiner, dann bin ich dabei.
Und in diesem Sinne bin ich übrigens gern "Antifaschist" - denn es ist und bleibt die für Nachgeborene mehr als bloß "lehrreiche" historische Realität des so absoluten mörderischen Hitler-Regimes auf "deutschem" Boden, ein Regime des totalen Krieges, der endgültigen Vernichtung, der vollkommenen Anti-Moral, die mich denken und sagen lässt: Nicht
DAS auch noch, und nicht ausgerechnet so. Wenn kein Pardon für Dumme, Lügner und Diebe, dann erst recht keines für Hasser, Schläger, Betrüger und Mörder. Neo-Revisionisten gebe ich nicht einen Millimeter.
Es geht dabei nicht um links gegen rechts, nicht um pseudo- oder möchtegernliberal gegen "liberal", nicht um "neocon" gegen "progressiv", und schon gar nicht um Sprech- oder sogenannte "Denk"-verbote. Es geht auch nicht - wie absurd! - um "Verrat", "Volksfronten" oder um "Allianzen", "Achsen", "Freunde" und "weapons" usw.
Es geht schlicht um den absoluten Gegensatz von Vernunft und Dummheit. Hier versuche ich, so kompromisslos zu sein, so gut ich eben kann.
* = den Hinweis verdanke ich dem anarchokapitalistischen Beobachter ef-Chef Lichtschlag in seinem "FreiheitsForum"