von Bodo WünschIm
'house of lords' der liberalen Blogosphäre ;-)
schildert unser Schweizer Bloggerkollege Manfred Messmer, weshalb er nach einer reichlich frustrierenden ErFAHRung mit seinem geilen Wagen (aus bayerischer Produktion.... - Manfred, den brauchst' aber nicht, um jünger zu wirken, od'r?) auf deutschen Autobahnen nun durchaus für Tempo 130 ist, so, wie es die SPD auf ihrem Parteitag jüngst
beschlossen hat.
Nun, ich selbst bin auch für ein solches Limit. Die Höhe ist mir dabei weniger wichtig als ein generelles Limit als solches - nicht aus pragmatischen, nicht aus sicherheitsrelevanten, nicht aus utilitaristischen und schon gar nicht etwa aus ökologischen Gründen.
Ich würde aus rein rechtsphilosophischer Argumentation heraus ein generelles Tempolimit auf allen Autobahnen dieser Welt plädieren. Begründung: Im negativen Fall (also so, wie es aktuell ist), kollidiert die Freiheit des einen, mit theoretisch ungebrenzter Geschwindigkeit auf praktisch begrenztem und vor allem: für jedermann grundsätzlich frei zugänglichem Raum (Fahrstreifen einer Autobahn zwischen A und B) sich zu bewegen,
dem Prinzip nach mit der Freiheit des anderen, sich seiner Bewegung im selben Raum unabhängig vom möglicherweise unbegrenzt daher Rasender sicher zu sein. Mit anderen Worten: Das Fehlen eines generellen Tempolimits (auf begrenztem, dabei öffentlich zugänglichem Raum) ist nicht 'freiheitlich' (aka "Freie Fahrt für freie Bürger", was'n Quatsch), sondern freiheitszerstörend.
Das und nichts anderes wäre meine einzige Begründung. Der berüchtige
Fall von Rolf F., bei dem eine junge Mutter mit Kind umkam, erscheint dann in ganz anderem Lichte. Wie Manfred es schön beschreibt, belegt auch die alltägliche Bild auf deutschen Autobahnen den Befund: Es herrscht Hektik, es wird sich saudumm auf der linken Spur "angestellt", während man rechts prima überholen könnte, die Folge sind hausgemachte Staus.
Praktisch könnte ich mir durchaus vorstellen, im Zeitalter sogenannter Wechselzeichenanlagen, also variabler Verkehrsschilder, wie wir sie mittlerweile von vielen Abschnitten kennen, die Limits abhängig von der Verkehrsdichte zu bestimmen - also etwa durchaus auch einmal 280 km/h Sonntag morgen auf der A3 zwischen Regensburg und Passau, und 100 km/h zur besten Sommerreisezeit auf der A7, damit "alles fließt", wie anderswo auch. Dazu die Erlaubnis, rechts zu überholen, sodass die Möglichkeiten der Fahrstreifenwechsel sich verdoppeln und Autobahnraum besser genutzt ist. In den Niederlanden etwa ist die Verkehrsdichte höher, die Autobahnen ungleich voller, aber man rollt entspannt, es ist beinahe ein '
floating' - eine überaus angenehme Autofahrererfahrung, die man auch in den USA, in Kanada und in den Arabischen Emiraten (120 km/h) machen kann.
Damit auch Manfred mal die Chance auf feuchte Hände und weiche Knie hat. Die bekommt man spätestens ab 270.*
* ich selbst würde mich durchaus auch als Autofan bezeichnen, fahre auch gern und viel und auch zügig Auto, und wenn ich Lust habe, sehr zügig. Meistens aber freiwillig mit bewusst unterdurchschnittlichem Schnitt, auch wenn es schneller ginge. Dann ist nämlich die Bahn vor einem frei; zudem zeigt die langjährige Erfahrung, dass "Bleifuss" niX, aber auch garniX bringt, weder Zeitgewinn, noch Spaß. Diese Autobahnpresserei gerade so vieler Passat/Audi TDI-Vertreterschüsseln (oder oft auch Papi mit Van + Family im Mazda-Van) ist einfach nur peinlich. Und nervig, für sich, für andere.