F.M.R. - Inbegriff für liberale Konsequenz ... F.M.R.: Oktober 2007

31 Oktober 2007

"Ausweis her!"

von Bodo Wünsch

Mit Emirates von Dubai nach München. Nach sechs Stunden Holzklasse (meine Beine sind einfach zu lang für die Normbestuhlung) froh, endlich auszusteigen.

Überraschung unmittelbar hinter der Kabinenluke, noch im "Rüssel", vor'm Eingang zum Terminal: Zwei grimmig dreinblickende (wohl wegen der Spätschicht?) Bundespolizisten, im Halbdunkel, in Dunkelblau, man erschrickt, denn die Beleuchtung ist im Rüssel nun mal nicht sehr hell - die bereits hier, am Flieger, die Pässe kontrollieren. Meiner steckt irgendwo in der Laptop-Tasche, dachte, in der Schlange unten im Terminal an der regulären Passkontrolle hätte ich die 15 Sekunden, ihn rauszufingern. Nicht so jetzt, man bellt:

"Ausweis!" - "Entschuldigung, geht das nicht etwas freundlicher?" - "Des is mir wurscht, Pass her!" - "Sagen Sie, mir als Deutschem isses ja wurscht, aber was sollen die ausländischen Besucher, vor allem die Emirati, denken, wenn Sie sie so nett begrüßen? (in diesem Moment den Reisepass herzeigend, hinter mir ungeduldiges Gemurmel) - "Bitte weitergehen!"

Willkommen in Deutschland. Bin ich Deutschland?

29 Oktober 2007

Tempolimit? Wurde aber auch Zeit...

von Bodo Wünsch

Im 'house of lords' der liberalen Blogosphäre ;-) schildert unser Schweizer Bloggerkollege Manfred Messmer, weshalb er nach einer reichlich frustrierenden ErFAHRung mit seinem geilen Wagen (aus bayerischer Produktion.... - Manfred, den brauchst' aber nicht, um jünger zu wirken, od'r?) auf deutschen Autobahnen nun durchaus für Tempo 130 ist, so, wie es die SPD auf ihrem Parteitag jüngst beschlossen hat.

Nun, ich selbst bin auch für ein solches Limit. Die Höhe ist mir dabei weniger wichtig als ein generelles Limit als solches - nicht aus pragmatischen, nicht aus sicherheitsrelevanten, nicht aus utilitaristischen und schon gar nicht etwa aus ökologischen Gründen.

Ich würde aus rein rechtsphilosophischer Argumentation heraus ein generelles Tempolimit auf allen Autobahnen dieser Welt plädieren. Begründung: Im negativen Fall (also so, wie es aktuell ist), kollidiert die Freiheit des einen, mit theoretisch ungebrenzter Geschwindigkeit auf praktisch begrenztem und vor allem: für jedermann grundsätzlich frei zugänglichem Raum (Fahrstreifen einer Autobahn zwischen A und B) sich zu bewegen, dem Prinzip nach mit der Freiheit des anderen, sich seiner Bewegung im selben Raum unabhängig vom möglicherweise unbegrenzt daher Rasender sicher zu sein. Mit anderen Worten: Das Fehlen eines generellen Tempolimits (auf begrenztem, dabei öffentlich zugänglichem Raum) ist nicht 'freiheitlich' (aka "Freie Fahrt für freie Bürger", was'n Quatsch), sondern freiheitszerstörend.

Das und nichts anderes wäre meine einzige Begründung. Der berüchtige Fall von Rolf F., bei dem eine junge Mutter mit Kind umkam, erscheint dann in ganz anderem Lichte. Wie Manfred es schön beschreibt, belegt auch die alltägliche Bild auf deutschen Autobahnen den Befund: Es herrscht Hektik, es wird sich saudumm auf der linken Spur "angestellt", während man rechts prima überholen könnte, die Folge sind hausgemachte Staus.

Praktisch könnte ich mir durchaus vorstellen, im Zeitalter sogenannter Wechselzeichenanlagen, also variabler Verkehrsschilder, wie wir sie mittlerweile von vielen Abschnitten kennen, die Limits abhängig von der Verkehrsdichte zu bestimmen - also etwa durchaus auch einmal 280 km/h Sonntag morgen auf der A3 zwischen Regensburg und Passau, und 100 km/h zur besten Sommerreisezeit auf der A7, damit "alles fließt", wie anderswo auch. Dazu die Erlaubnis, rechts zu überholen, sodass die Möglichkeiten der Fahrstreifenwechsel sich verdoppeln und Autobahnraum besser genutzt ist. In den Niederlanden etwa ist die Verkehrsdichte höher, die Autobahnen ungleich voller, aber man rollt entspannt, es ist beinahe ein 'floating' - eine überaus angenehme Autofahrererfahrung, die man auch in den USA, in Kanada und in den Arabischen Emiraten (120 km/h) machen kann.

Damit auch Manfred mal die Chance auf feuchte Hände und weiche Knie hat. Die bekommt man spätestens ab 270.*

* ich selbst würde mich durchaus auch als Autofan bezeichnen, fahre auch gern und viel und auch zügig Auto, und wenn ich Lust habe, sehr zügig. Meistens aber freiwillig mit bewusst unterdurchschnittlichem Schnitt, auch wenn es schneller ginge. Dann ist nämlich die Bahn vor einem frei; zudem zeigt die langjährige Erfahrung, dass "Bleifuss" niX, aber auch garniX bringt, weder Zeitgewinn, noch Spaß. Diese Autobahnpresserei gerade so vieler Passat/Audi TDI-Vertreterschüsseln (oder oft auch Papi mit Van + Family im Mazda-Van) ist einfach nur peinlich. Und nervig, für sich, für andere.

28 Oktober 2007

Das Emirat Dubai ist nicht steuerfrei

von Bodo Wünsch

"Steuern" sind in den V.A.E. ein Fremdwort, schrieb ich vor einigen Wochen. De iure erheben die Emirate sehr wohl Steuern, allerdings liegen die Sätze überall bei 0%. De facto haben Investoren jedoch statt Steuern Abgaben in Form jährlich wiederkehrender, nicht geringer Gebühren für Unternehmens- und Arbeits-Lizenzen zu leisten, von der Beteiligung eines lokalen "Sponsors" an ausländischen Unternehmen, die im Lande (und außerhalb der vielen 'free zones') gegründet werden, einmal abgesehen. Doch bei der aktuellen Situation in Dubai sieht es so aus, dass 1. jeder unternehmerische Schritt im Lande eine freiwillige Sache bleibt, und 2. die Höhe der oben erwähnten Lizenzen und Gebühren und Beteiligungen durchaus Verhandlungssache ist - Ehrensache in arabischen Ländern.

Das eröffnet den Herrschern, jederzeit und bei Bedarf - und: vor allem ohne 'demokratischem' Beschluss - doch Steuern zu erheben. Sie müssten lediglich den Satz von 0 auf einen Prozentsatz x erhöhen. Man munkelt, dass in den kommenden Jahren durchaus eine reale Umsatzsteuer wird eingeführt werden. NiX genaues weiß man nicht. Ich habe mich noch nicht erkundigt, wie der Entscheidungsprozess in Verwaltungs- und Regierungsangelegenheiten in dieser konstitutionellen Monarchie abläuft; ich werde das nachholen. Interessant wäre auch einmal zu prüfen, was in den V.A.E. sich überhaupt 'politisch' tut, sprich: ob es unter den dort lebenden und arbeitenden Menschen ein 'Interesse' gibt, Einfluss auf die sie umgebenden Bedingungen zu nehmen, die über das hinaus gehen, was sie selbst für sich tun können bzw. wollen; politische Parteien in unserem Sinne sind verboten. Nicht vorstellen kann ich mir, dass es auch in den V.A.E. angesichts der globalen Sozialdemokratisierung (viel bedeutender [und folgenreicher zumal] als die sog. 'globale Erwärmung') ganz ohne entsprechende Veränderungen abgehen wird. Vielleicht nicht heute, und auch nicht morgen. Vielleicht aber dann, wenn der Aufstieg der zahlreichen 'Expats' die Ansprüche an die eigene Lebengestaltung erweitert haben wird.

Noch allerdings bleiben die V.A.E. insbesondere für Ausländer ein gigantischer 'libertärer' Traum, wenn man so will, der Realität ist: Gehe hin, sei geschickt, sei fleißig, mache Geld. Und zwar ohne, dass andere Menschen, die es ja "nur gut" mit dir meinen, dir sagen, was gut für dich ist. Kannst ja wieder gehen...

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27 Oktober 2007

Mal eben Geld ausgeben in Köln?

von Bodo Wünsch

Zurück mit längst noch nicht verarbeiteten Eindrücken aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, betrete ich in Köln - nach längerem Suchen, Laufen und Durchfragen - einen dieser 'edel-exklusiven' Laden für Designer-Inneneinrichtung, der unter anderem eine bestimmte dänische Marke für Armbanduhren führt. Ich selbst habe bereits eine solche am Handgelenk, nun bin ich auf der Suche nach dem Damenmodell für meine Partnerin.

Der Inhaber (Verkäuferpersonal? Fehlanzeige, anders als in Dubai, wo sich mindestens einer sofort um jeden Kunden bemüht, und zwar vollkommen unaufdringlich) hielt es nicht für nötig, sein Telefongespräch zu beenden, um sich vielleicht herabzulassen zu fragen, was ich denn wünsche. Irgendwann - ich stand da wie ein Depp, ich war auch der einzige Kunde im Laden - legte er auf. Blickte mich stumm mit eher traurig-fragenden Augen an.

Meine Frage nach einem bestimmten Modell der Armbanduhr war schon falsch. "Ach die...?", murrte der sichtlich gelangweilte Geschäftsmann, "das ist mittlerweile Massenware, nichts exklusives mehr. Das Modell, das Sie suchen, hab' ich nicht. Gucken Sie doch mal am Bahnhof." Danke, und tschüss. Was für eine Ohrfeige.

Bestellung entgegennehmen? Nein. Sich bemühen? Nein. Fragen, ob ich (als Fremder in der Stadt) den Weg vielleicht zum Bahnhof kenne? Denkste.

Statt dessen weiß ich nun, dass ich in seinen Augen totalen Mist am Handgelenk trage. Wollte ich eigentlich von ihm gar nicht wissen. MIR gefällt die Uhr nämlich.

Sicher, eine Stichprobe. Ein "Einzelfall". Und ich eine Mimose noch dazu. Doch das wäre Ihnen in Dubai mit Sicherheit niemals passiert, dass Sie nicht nur nicht bedient im besten Wortsinne werden, sondern auch noch runtergemacht werden.

Kunde in Deutschland? Unwillkommen. Lästig. Überflüssig. Und keine Ahnung sowieso.
Kunde in Dubai? Sie sind dort uneingeschränkt König, egal ob Sie nichts kaufen, 5 oder 5 Millionen Dirham ausgeben wollen. Sie werden nicht bedient; Sie werden hofiert. Man ist freundlich. Unnötig zu sagen, dass ich den Uhrenkauf auf Dezember verschiebe, wenn es am Flughafen München "Franz-Josef-Strauß" wieder heißt: "Last call for EK 052 to Dubai...."

Danke, Köln. Danke, Deutschland. Bin ich Deutschland?

20 Oktober 2007

Dubai oder Mumbai oder Karachi?

von Bodo Wünsch

Ahlan wa sahlan!* Wie versprochen, möchte ich nun von meinem ersten Dubai-Aufenthalt den einen oder anderen Kurzeindruck wiedergeben, und zwar Eindrücke, die vielleicht aus Sicht eines 'libertär Angehauchten' von Bedeutung sein könnten.

Heute morgen also in der Boomtown angekommen. Erster Eindruck: Die ganze Stadt ist eine einzige Baustelle. Dann hat es mich doch verwundert, dass in der angeblich kapitalistischsten Stadt der Welt (ein der 'Szene' nicht ungeläufiges 'libertäres' Blatt aus G. räsonierte vor geraumer Zeit mit Titelbild) 1. ein reserviertes Hotelzimmer nicht frei ist, auch wenn es heißt, es wäre frei, und 2. bestimmte Internetseiten vom "Staate" V.A.E. wegen (unbestimmter) "religious, cultural, political and moral values" schlicht geblockt werden,

und 3. es volle 150 Dhs (= 30 Euro) kostet, auch nur drei Minuten ohne gültigem Parkticket zu parken.
Nun denn. Ich will mich nicht beschweren über Dinge, die hier nicht gehen oder nicht passieren. Es hält sich in Grenzen. Zu staunen ist vielmehr über das gigantische Gewusel, dass hier abgeht, und zwar auf einem Raum, den man nur mit einem klimatisierten Wagen überhaupt auch nur "erfahren" kann (es sei denn, man gönnt sich einen Hubschrauberrundflug). Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Baukräne auf einen Haufen gesehen.


Der Burj Dubai steht derzeit bei ca. 580 Metern Bauhöhe, und es wäre ein Irrtum zu denken, dass auf der Megabaustelle nachts 'Schicht im Schacht" wäre... nö, da geht es erst richtig los. Ich habe versucht, vom siebten Stock meines Hotels aus ca. 4 km Luftlinie Entfernung ein Bild einzufangen (s. oben).
Noch interessanter ist, dass Einheimische, sofern an ihrer traditionellen Tracht (dish'dash'a und a'baya) überhaupt zu erkennen, in der öffentlichen Wahrnehmung bei weitem in der Minderzahl sind.
Es dominieren Einwanderer und/oder Gastarbeiter aus dem indisch-pakistanischen Raum. Radiostationen sind überwiegend indisch, Restaurants ebenso, und selbst der berühmte Gold-Souk scheint bombenfest in indischer Hand. Nebenbei: ein klein wenig schade, dass man als scheinbar leicht zu erkennender Europäer alle 10 Meter für Copy-Rolex/-Cartier/-Breitling angesprochen wird (dennoch stets unaufdringlich und nicht aggressiv).
Morgen geht's nach Abu Dhabi. Ich habe einen Termin bei der dortigen AHK, und ich bin gespannt, welche Dienstleistung (und zu welchen Kosten) mir eine deutsche Quasi-Behörde anbieten kann.
* arab. = Herzlich willkommen!

14 Oktober 2007

"Besucher" des Finanzamts?

von Karl Stritzinger

Als ich kürzlich - wie mindestens einmal pro Jahr - bei der beliebtesten Einrichtung unseres oberbayerischen Städtchens vorbeikomme, fällt mir beim Parken vor dem Gebäude ein Schild auf.Es begrüßt mich mit der Inschrift "Besucher des Finanzamtes". Es sagt jedem möglichen Nutzer des Platzes eindeutig, wer sein Fahrzeug auf diesem Platz abstellen dürfe. Mit einschlägigen Unterlagen in der Hand und der Absicht, das zum Parkplatz gehörige Gebäude zu betreten, fühle ich mich nach staatsbürgerlichen Prüfung des eigenen Gewissens in den Kreis der Berechtigten aufgenommen und lasse mein Auto stehen.

Auf der Heimfahrt kommen mir allerdings Zweifel ob der Richtigkeit der Formulierung. Besucher kommen doch eigentlich freiwillig. Entweder haben sie eine Einladung des Gastgebers angenommen oder sie laden sich selbst ein, kommen spontan vorbei und der überraschte Gastgeber sagt nicht 'nein'. Eine Einladung hatte ich nun nicht, eher eine Aufforderung; tageszeitmäßig war e recht geplant und der "Gastgeber" sagte auch nicht sowas wie "Schön, daß Sie gerade vorbeikommen, ich habe zwar gerade was anderes vor, aber machen Sie sich es trotzdem schonmal gemütlich. Trinken Sie einen Kaffee oder lieber Tee oder Saft?"
Während meiner Heimfahrt lenke ich meine Gedankengänge auf einen Gefängnisbesucher. Auch dieser kommt meist freiwillig, um etwa einen Verwandten zu besuchen. Die Besuchzeiten sind zwar etwas reglementiert, aber man kann trotzdem von eigenem Antrieb und selbstbestimmtem Handeln des Knastbesuchers sprechen. Diese Merkmale fehlen im Falle des Betretens des Finanzamtes völlig.

Mal Hand auf's Herz, wer ist schon mal freiwillig zum Finanzamt gegangen? Stimmt, die Finanzbeamten! Die tun das Tag für Tag freiwillig, sonst würden sie ja kündigen. Sie müssen sich da zwar an feste Zeiten halten, aber ich kann bei meinen Verwandten und Kumpels auch nicht kommen wann ich will. Warum sollten diese Zeiten nicht auch bei den Beamten geregelt sein? Die Finanzbeamten sind die eigentlichen, besser: die eizigen regelmäßigen Besucher des Finanzamtes.
Was bin ich dann, wenn ich es erwiesenermaßen nicht freiwillig tue? Beorderter des Finanzamtes? Kommandierter, Befohlener, Steuerpflichtiger, Finanzamtsumgangspflichtiger? "Herr Oberfinanzamtsinspektor! Melde mich wie befohlen!" Dieser Satz aus alten Dienstpflichtzeiten! Das kommt schon eher hin. Wir beide - der Vertreter der auffordernden Institution und ich als Institutionsumgangspflichtiger hatten nur unsere Uniformen zuhause gelassen und den Ton weniger bellend gestaltet.

Die Parkplätze wird man vielleicht ehrlicherweise wie bei der Bundeswehr in Offiziere/Unteroffiziere und wehrpflichtige Mannschaften umbenennen.

Als ich mir über den Gehalt dieses Besuches = die Erfüllung meiner hoheitlichen Pflicht klar wurde, war ich gerade zuhause angekommen.

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