von Bodo WünschAus reiner Höflichkeit habe ich zugelassen, mich beinahe zwei Stunden mit einer, wie sich schnell herausstellte: 'linken' Wiener Studentin* zu streiten. Es ging - worum sonst? - um die großen mehr oder weniger materiell bedingten "Ungerechtigkeiten" auf diesem Planeten. Einige meiner Äußerungen zu unternehmerischer Freiheit, zu Steuerstaat und Studiengebühren mussten sie sehr gereizt haben, vor allem mein Satz: Ursache allen politischen Übels ist die Politik selbst, zumal in ihrer seit langem global herrschenden sozialdemokratisch-militärischen Variante; wenn die Menschen bloß dürften, wie sie wollten, sähe der Planet gewiss besser aus. Das "rote Tuch" war jedoch mein Satz, noch nie hätte es eine Menschheit - zumal angesichts ihrer Population von immerhin 6,6 Mrd. - vergleichsweise gut gehabt wie heute, wobei ich einräumte, dass ich keineswegs die Augen vor dem unbestrittenem und vielfältigen Leid weltweit als solchem verschließen wolle. Nur gäbe es außer dem Kapitalismus, den ich als solchen nicht für ein "System", sondern mit
Roland Baader für einen Zustand, der sich einstelle, halte, kein anderer Weg, daran grundsätzlich etwas zu ändern - etwa, dass wirklich alle genug zu essen hätten.
Ihr Haupteiwand: Das
global erwirtschaftete Volkseinkommen sei aufgrund historischer und gesellschaftlicher notwendiger (!) Bedingtheiten ungleich und vor allem
"ungerecht" verteilt; man müsse es so umverteilen, dass auch die Armen und Unterdrückten - allen voran die eigentlichen Wertschöpfer: Die Arbeiter in den Fabriken - endlich "leistungsgerecht" entlohnt würden. Als Hauptgewährsmann dieser und anderer Thesen berief sie sich hauptsächlich auf den als scharfzüngigen Globalisierungskritiker bekannten Schweizer
Jean Ziegler. Ob sie Marxistin sei? "Ja, das bin ich." Ich entgegnete, dass wir nun das Gespräch schlicht einstellen müssen; ich könne mit Marxisten schon aufgrund ganz grundsätzlich voneinander abweichender Positionen nicht reden, und zwar lediglich wegen Positionen, die rein methodentheoretischer Natur sind. Ich bot ihr den Abbruch des Gesprächs über solcherlei Themen an.
Sie ging nicht darauf ein; ich ließ mich drauf ein. Sie widersprach allen meinen 'kapitalistischen' (ich sei Unternehmensberater und 'könne' eh nicht anders reden, so ihr fortwährendes
argumentum ad hominem) Einwände mit marxistisch-sozialistischer "Argumentation" - nur auf eine einzige Frage nicht: Wie sie denn ihre Umverteilung hin zu mehr globaler Gerechtigkeit zu verwirklichen gedenke. Sie müsse ja Besitz- wenn nicht sogar Eigentumsverhältnisse ändern, und das könne sie letztlich nur mit Gewalt gegenüber bestimmten Menschen erzielen, nämlich gegenüber den 'Wohlhabenden". Damit wäre ihr Ansinnen prinzipiell ein rechtloses.
Sie wich aus. Parlamente in ihrer heutigen Form hielt sie für überkommen. Es müssten lokale und regionale "Räte" geschaffen werden, die bestimmen, wie das "gemeinsam Geschaffene" ex post zu verteilen sei.
Mit jeder Wiederholung meiner Frage nach dem "mit welchen Mitteln?" wurde sie sichtlich aggressiver, ungehaltener und lauter, ich kam nicht mehr zu Wort. Schließlich entschloss sich die junge Dame, zum Rauchen nach draußen zu gehen und mich (Nichtraucher, der sie nicht ausgerechnet dafür in die Kälte hinausbegleiten wollte) einfach stehen ließ.
Nur nebenbei: Der österreichische (!) Ökonom
Ludwig von Mises, geschweige denn, was er zu sagen hatte, war ihr unbekannt. Am nächsten Tag empfahl ich ihr
nicht, obwohl naheliegend, die Lektüre Popper'scher Schriften. Ich empfahl ihr
"Wer ist John Galt?" von
Ayn Rand. Sie versprach mir, den Roman zu lesen. Ob sie ihr Versprechen halten wird?
* Wenn Du das zufällig liest, werte Kollegin: Nutze doch die Kommentarfunktion, dann können wir hier unser Gespräch gern fortsetzen.