von Karl StritzingerHubertus Heil, Generalsekretär der SPD und damit einer der Hauptverantwortlichen für die ideologische Ausrichtung seiner Partei, ruft im Vorfeld einer bundesweiten Steuerfandung anläßlich des aktuellen Fall Zumwinkel zum Kampf gegen die "
neuen Asozialen" auf. Wir, die Mitglieder dieses Gemeinwesens mit Namen Sozialer Bundesstaat Deutschland, können Herrn Heil gar nicht dankbar genug sein für seine Klarstellungen. Als studiertem Politologe ist ihm die Bedeutung des Wortes Asozialer auch aus dem historischem Kontext bestens bekannt. Vor allem da er ja von "Neuen" Asozialen spricht und mit seiner Formulierung auch Bezug nimmt auf die alten, möglicherweise bereits historischen Asozialen.
Vergegenwärtigen wir uns als unselbständige Glieder der großen Solidaritätsgemeinschaft noch einmal genau diesen historischen Zusammenhang:
Die Verwendung des Begriffes Asozialer hat im privaten eine ganze Bannbreite von Bedeutungen und da Herr Heil als Politiker und Person des öffentlichen Lebens sich äußerte, geht es hier auch nur um die politische Bedeutung dieses Begriffes.
"Nach einer Durchführungsverordnung von 1938 galt als asozial, wer "durch gemeinschaftswidriges, wenn auch nicht verbrecherisches Verhalten zeigt, daß er sich nicht in die Gemeinschaft einfügen will". Asozial waren nach der Verordnung Personen, die "durch geringfügige, aber sich immer wiederholende Gesetzesübertretungen, sich der in einem nationalsozialistischen Staat selbstverständlichen Ordnung nicht fügen wollen". Namentlich wurden Landstreicher, Bettler, Prostituierte, Zigeuner, Trunksüchtige sowie mit ansteckenden Krankheiten, insbesondere Geschlechtskrankheiten, behaftete Personen aufgeführt..... Im Zuge der von der Kriminalpolizei zwischen dem 13. und 18. Juni 1938 durchgeführten Aktion "Arbeitsscheu Reich" gegen als "asozial" eingestufte Personen wurden mehr als 10.000 Menschen verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt......Die Verhaftungswelle sollte vor allem der Disziplinierung der sogenannten subproletarischen Gruppen dienen."
Zitatende.
"In den Haftbegründungen der Kriminalpolizei gegen "Asoziale" schlägt sich eine eigentümliche, widersprüchliche Mischung aus polizeilichem Vokabular ("wird immer wieder straffällig") und fürsorgerischen Begrifflichkeiten ("treibt sich herum") nieder, es mischen sich rassenhygienische Versatzstücke ("stammt aus einer kriminell belasteten Familie") mit Exklusionsbeschlüssen ("hat keinen Platz in der Volksgemeinschaft"), die bisweilen in kaum verhüllten Tötungsaufforderungen gipfeln ("seine Rückkehr ist nicht erwünscht"). "
Zitatende.
Von diesen Aktionen waren in erster Linie sog. "Deutschstämmige" betroffen gelegentlich aber auch Juden, auf die diese Aktionen allerdings nicht in erster Linie abzielten, sondern die aus sozial- und volkshygienischer Sicht unerwünscht und als "
asozialer Abschaum" des "deutschen Volkes" galten. Die in KZ's eingelieferten bekamen daher auch den schwarzen Haken an die Häftlingsuniform geheftet und weniger häufig den Judenstern. Soweit soll der historische Rückblick erst einmal genügen.
Interessant, daß sich heuer diese Verordnung zum 80.ten Male jährt! Wenn das kein Zufall ist, Herr Heil! Rechtzeitig zum Schlag gegen die verhaßte Manager- und Unternehmerklasse. Sie sind ein ganz ausgekochter Fuchs!
Herr Heil ruft auch auf zum Kampf gegen eine scheinbar außerhalb der von ihm definierten Gemeinschaft stehende Gruppe von Menschen auf, die ihre Arbeitskraft, ihr Vermögen, ihre geistigen und körperlichen Kapazitäten und insbesondere das Einkommen, das diese daraus beziehen, nicht ausreichend in den Dienst dieser Gemeinschaft stellen. Der Nationalsozialismus bekämpfte mit der Verordnung zur Aktion "Arbeitsscheu Reich" ebenfalls allerdings am unteren Ende der Sozialskala Menschen, die ihre Arbeitskraft nicht in den Dienst der Gemeinschaft stellten, sei es, daß sie lieber von freiwilligen Almosen der Mitmenschan leben wollten (Bettler), selbstgenügsam waren und nur ab und an arbeiten wollten (Wander- und Gelegenheitsarbeiter), den Lebensunterhalt durch sexuelle Dienstleistungen erwarben (Prostituierte) oder aus sonstigen Gründen nicht oder nicht regelmäßig arbeiten wollten oder konnten (Trunksüchtige, Landfahrer, Straßenmusikanten u.a.).
Das Schicksal eines Herrn Zumwinkel wird im Sozialdemokratismus allerdings ein völlig anderes sein, als das eines Landstreichers oder Bettlers im Nationalsozialismus. Allein schon deswegen, weil man das Vermögen und die Kapazität eines solch hoch stehenden Herrn und seiner Artgenossen in der "Managerklasse" noch sehr sinnvoll (gemeinverträglich) verwenden kann. Auch durch besondere Reue und Dienstfertigkeit, Schuldbewußtsein und Wiedergutmachung am Gemeinwesen kann er der vollen Härte des sozialdemokratistischen Gesetzes entgehen. Diese Option bestand für den als Asozialen bezeichneten des Nationalsozialismus nicht. Da war der sichere Tod das unwiderrufliches Schicksal.
Aber die Aktion "Neue Asoziale" dient der Disziplinierung einer scheinbar der sozialdemokratistischen Führung aus dem Ruder gelaufenen gesellschaftlichen Gruppierung, die seit Jahren sog. Reformen auf dem Weg zu mehr Marktwirtschaft fordert und der nun endlich die Kante gezeigt wird. Die Vorstände dieser ewigen Politnörgler- und Defaitistenorganisationen BDI und BDA Thumann und Hundt haben ihren öffentlichen Kotau schon vor der Gemeinschaft bereits gemacht. Auch Hanns-Eberhardt Schleyer vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, eine ehemals für rückständige Marktwirtschaft stehende Organisation zeigt Betroffenheit. Weitere glücklicherweise fast zahllose Beispiele liessen sich aufführen. Es wird endlich Zeit, daß sie sich ganz offiziell zu öffentlich-rechtlichen Organisationen umwandeln und sich eingliedern in ein von der Kanzlerin anzuregende einheitliche Nationale Bündnis zur Erlangung der Sozialen Gerechtigkeit in Deutschland.
Die Kanzlerin will die Managerklasse
ins Gebet nehmen! Ihre Version des Sozialdemokratismus gleicht nicht dem Konzentrationslager des Nationalsozialismus, sondern einer großen Kirche, in der der reuhige Steuersünder nach Bekehrung, Beichte, Absolution, Wiedergutmachung und Busse wieder vollwertiges Mitglied der gläubigen Gemeinschaft werden kann. Hunderte von Managern werden in den nächsten Tagen vor den Beichtstühlen der Kanzlerin erwartet. Mit mildem Lächeln wird die Kanzlerin ihr "Deinde ego te absolvo" über jeden bussfertig knieenden Sünder sprechen. Das läßt hoffen. Die Kanzlerin übernimmt die Rolle des good cops. Fegefeuer muß aber sein.
Die Alternative wäre ansonsten die Hölle des bad guy Hubertus Heil, der historisch wohlbekanntes Vokabular verwendet. Bei Ihm, seiner Partei und wahrscheinlich bei seinen politischen Partnern wissen alle Mitglieder der sozialdemokratistischen Volksgemeinschaft woran sie künftig sind.
Ich frage mich beim Anblick der historischen
KZ-Winkel, welchen er mir, meinen Nachbarn und Freunden, die rebellisch aufbegehren, wie es gerade das
Manager-Magazin getan hat , denn künftig verpassen würde, da wir ja nicht ganz so wertvoll sind wie der gut vernetzte Herr Zumwinkel? Den schwarzen? Oder sieht seine Farbenlehre anders aus als die historische?
Oder ist das Spiel zwischen beiden Parteien nur die Wahl zwischen schwarzer Steuermesse bei Angie oder roter Abgabenhölle bei Hubertus? Der politischen Hygiene des Sozialstaates, oder doch besser der Sozialhygiene tut beides in jedem Falle not.
Die dankbare Gemeinschaft, Amen!
Labels: Satire, Sozialdemokratie, Steuern